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Leitbild des Koordinierungszentrums Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch – Tandem in Regensburg

Das Leitbild wurde im Rahmen der Qualitätsentwicklung der beiden Tandem-Büros in Pilsen und Regensburg gemeinsam erarbeitet. 

Identität und Auftrag

In der Absichtserklärung zur Gründung der Koordinierungszentren Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch, unterschrieben im September 1996 auf dem ersten Deutsch-Tschechischen Jugendtreffen in Polička, Tschechien, ist deren grundlegende Aufgabenbestimmung niedergelegt. Der Aufgabenkatalog der Absichtserklärung enthält die bis heute gültigen Kernaufgaben: Beratung von Organisationen und Institutionen, Anregung von Austauschprojekten, -formen und -inhalten, Kontaktvermittlung, Qualifizierung, Vermittlung von Praktika und einige andere mehr.

Allgemeine Ziele

Mission Statement: 

Die Koordinierungszentren Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch – Tandem fördern die gegenseitige Annäherung und die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen jungen Menschen aus Deutschland und Tschechien.

Die Koordinierungszentren beraten und unterstützen staatliche und nichtstaatliche Institutionen und Organisationen in beiden Ländern bei der Durchführung und Intensivierung des deutsch-tschechischen Jugendaustausches und der internationalen Zusammenarbeit im Bereich der Jugendarbeit. Die Koordinierungszentren sind die zentralen Fachstellen der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechischen Republik für den Jugend- und Schüleraustausch zwischen den beiden Staaten. Im Zentrum der Arbeit steht die Begegnung junger Menschen.

Die Schwerpunkte der Tätigkeit sind:
• Beratung und Unterstützung aller, die deutsch-tschechische Begegnungen von Kindern, Jugendlichen sowie Schülerinnen und Schülern durchführen oder durchführen möchten
• finanzielle Förderung der deutsch-tschechischen Zusammenarbeit im Kinder- und Jugendbereich
• Initiierung von Austauschprojekten und neuer Formen der Zusammenarbeit
• Vermittlung von Partnerschaften
• Fortbildung von Fachkräften im Bereich der Jugendarbeit
• Vermittlung von Mobilitätsangeboten für Einzelpersonen (Praktika, Hospitationen, Freiwilligendienste)
• Verfassen von Informations- und Arbeitsmaterialien
• Empfehlungen geben an den Deutsch-Tschechischen Jugendrat sowie an die zuständigen nationalen Ministerien

Claim:

Wir gestalten die gemeinsame Zukunft!

Werte

Die Werte der Koordinierungszentren orientieren sich an den grundlegenden Werten und Aufgabenstellungen, welche die internationale Jugendarbeit seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verfolgt: Völkerverständigung und die Förderung von Toleranz, der Abbau von Vorurteilen sowie der respektvolle Umgang mit dem Nachbarn mit dem Ziel einer guten Nachbarschaft bilden die Basis des Wertekatalogs. 

Die Möglichkeiten der Zusammenarbeit, die sich seit 1989, dem Fall der Mauer und der Samtenen Revolution, zwischen beiden Ländern entwickelt haben, sind eng mit den Werten der europäischen Einigung verknüpft. Insofern unterstützen die Koordinierungszentren die grenzüberschreitenden Kontakte zwischen jungen Menschen beider Länder, sie stehen für interkulturelles Lernen auf der Basis eines diversitätsbewussten Umgangs mit dem Bildungswesen.

Akteure sind für die Koordinierungszentren die jungen Menschen in beiden Ländern, deren Ermutigung zum Nutzen der eigenen Potentiale ebenso einen Wert darstellt wie die Unterstützung von Demokratie und Zivilgesellschaft. Den jungen Menschen sollen Möglichkeiten und Chancen eröffnet werden, die Annäherung soll in partizipativen Formen unterstützt werden, gegen Diskriminierung von Minderheiten sollen sich die jungen Menschen in Deutschland und Tschechien aktiv wenden. Die Koordinierungszentren wollen die gesellschaftliche Teilhabe fördern.

In der jugendpolitischen Zusammenarbeit soll Lust gemacht werden auf das Nachbarland und die Nachbarsprache – mit dem Ziel, Freundschaften zu entwickeln. Dabei möchten die Koordinierungszentren die Einsatzbereitschaft und den Mut aufbringen, möglichst alle mitzunehmen. Offenheit gegenüber Neuem, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein sollen Begegnungen ermöglichen und Neugier auf die Zusammenarbeit wecken.

Auftraggeber und Adressaten

Adressatinnen und Adressaten der Tandem-Qualifikationsangebote sind die Träger der non-formalen Bildung, allgemeinbildende Schulen, Einrichtungen der beruflichen Bildung, Träger der frühkindlichen Bildung/Kindertageseinrichtungen auf der institutionellen Ebene aus beiden Ländern, ebenso Individuen als Freiwillige, Praktikantinnen und Praktikanten sowie zum Beispiel als Teilnehmer/-innen bestimmter Veranstaltungsformate vom Jugendtreffen bis hin zur Sprachanimation in einer Schule. Teilnehmende an Bildungsveranstaltungen sind überwiegend Vertreter/-innen der angesprochenen Institutionen und Organisationen sowie Einzelpersonen im Rahmen der Angebote.

In der Förderungsaufgabe sind gemeinsame Adressatinnen und Adressaten in beiden Ländern die Einrichtungen der beruflichen Bildung, die in Deutschland und Tschechien mit den gleichen Programmen (bei unterschiedlichen Förderhöhen) bedient werden, die Gruppe der Kindertageseinrichtungen für Kinder im Vorschulalter, die jedoch aus national unterschiedlichen Programmen gefördert werden. Die zentrale Aufgabe von Tandem Regensburg, die Bewirtschaftung der „Sondermittel Tschechische Republik“ aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes, wendet sich an die Träger der außerschulischen Jugendarbeit als Empfänger der Fördermittel.

Neben dem gemeinsamen Gremium „Deutsch-Tschechischer Jugendrat“, das in der Regel einmal pro Jahr zusammentritt, um die jugendpolitischen Vorhaben zwischen den beiden Ländern zu diskutieren und festzulegen, gibt es nationale Auftraggeber der Koordinierungszentren.

Mitglieder des Jugendrats sind Vertreterinnen und Vertreter der öffentlichen und der freien Träger der Jugendarbeit.

Für Tandem Regensburg sind die nationalen Auftraggeber in erster Linie die drei Ministerien, welche die Grundkosten im Verhältnis 60:30:10 finanzieren, das BMFSFJ, das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration sowie das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz. Eine zentrale Rolle spielt auch der Träger von Tandem Regensburg, der BJR. Diese Institutionen bilden zusammen mit dem Pädagogischen Austauschdienst der Kultusministerkonferenz den Lenkungsausschuss von Tandem Regensburg. 

Darüber hinaus stehen die Koordinierungszentren in engem Kontakt mit einer Vielzahl von öffentlichen Stellen, die an der deutsch-tschechischen jugendpolitischen Zusammenarbeit und an Kooperationsprojekten mit Tandem interessiert sind. Daraus ergeben sich in unterschiedlichen Projekten, die teils aus EU-Förderprogrammen, teils aus nationalen Mitteln, teils aus privaten Drittmitteln finanziert sind, weitere Auftraggeber. 

Fähigkeiten

In der deutsch-tschechischen jugendpolitischen Zusammenarbeit sind die Koordinierungszentren die Fachstellen, die über das erforderliche Fachwissen zu Akteuren, Strukturen, Bedürfnissen, Fördermöglichkeiten und Methoden der Kooperation verfügen. Dies bezieht sich sowohl auf die Vermittlung von geeigneten Kontakten zwischen interessierten Akteuren als auch auf die Bereitstellung von Informationen zu Methoden der internationalen Jugendarbeit und interkulturellen Bildung und zu den Fördermöglichkeiten. Das Knowhow erstreckt sich auf die Gewinnung von potentiellen Kooperationspartnern wie auf die Unterstützung der grenzübergreifenden Kommunikation. 

Bedarfe nach deutsch-tschechischer grenzübergreifender Bearbeitung einzelner jugendrelevanter Fragestellungen stellen die Koordinierungszentren durch die Entwicklung geeigneter Formen und Themen der Zusammenarbeit mit den für die Fragestellung relevanten Partnerorganisationen und -institutionen zufrieden.

Leistungen

Die Koordinierungszentren bieten Unterstützung auf verschiedenen Ebenen für unterschiedliche Bedürfnisse der an deutsch-tschechischer Zusammenarbeit interessierten Organisationen, Institutionen und Einzelpersonen.

Als jeweils landesweit in beiden Ländern tätige Einrichtungen sind sie zunächst Ansprechpartner für alle, die an einer Kooperation im Feld der außerschulischen Jugendarbeit, im Bereich der allgemeinen schulischen Bildung, in der beruflichen Bildung oder im Bereich frühkindlicher Bildung interessiert sind. Dabei kann es um die finanzielle Förderung von Vorhaben zweier Partnerorganisationen aus beiden Ländern gehen, es kann die Beratung zu inhaltlichen und Förderfragen von Kooperationsvorhaben das Ziel sein oder die Qualifizierung für die konkrete Zusammenarbeit von Fachkräften in einem der beschriebenen Aktionsfelder. Anlass für die Anfrage einer Unterstützungsleistung durch Tandem kann aber auch der Bedarf nach Vermittlung von Kontakten zu geeigneten Partnern im Nachbarland sein. Die Koordinierungszentren leisten durch personelle Unterstützung in der Beratung, in der Kontaktvermittlung und bei Qualifizierungsseminaren konkrete Hilfestellung. Durch die Fachlichkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Büros und durch die Qualität der externen Referentinnen und Referenten bei Seminaren und anderen Fortbildungs- oder Qualifizierungsmaßnahmen wird eine hohe Zufriedenheit der Teilnehmer/-innen angestrebt. Die Förderung soll möglichst die Bedürfnisse der Antragstellerinnen und Antragsteller erfüllen.

Beispiele für konkrete Leistungen der Koordinierungszentren sind Online-Angebote wie die Kontaktdatenbank und die Projektdatenbank, die Beratung und Förderung für Freiwillige, die Aufnahme von Praktikant/-innen aus beiden Ländern oder die Bereitstellung von Fachpublikationen, um nur einige Angebote zu nennen, die das breite Beratungs-, Fortbildungs- und Förderangebot ergänzen.

Ressourcen

Die finanzielle Ausstattung durch die Hauptauftraggeber befähigt Tandem zur Umsetzung seiner Aufgaben. Zusätzliche Aufgaben werden durch zusätzliche Mittel – meistens ebenfalls aus dem öffentlichen Sektor – gelöst. Dies betrifft sowohl die fachliche Umsetzung als auch die finanzielle Förderung. 

Personell sind die Koordinierungszentren in den Stellenplänen auf beiden Seiten so aufgestellt, dass dauerhafte Aufgaben sicher und zuverlässig gelöst, die versprochenen Leistungen erbracht werden können. Weitere Projekte werden durch zusätzliches Personal umgesetzt. Das Personal setzt sich aus fachlich qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen. 

Die Koordinierungszentren greifen auf 20 Jahre Erfahrung und gesammeltes Fachwissen im Bereich des deutsch-tschechischen Schüler- und Jugendaustausches und der interkulturellen Bildung und internationalen Jugendarbeit zurück. Das große Netzwerk von Partnern auf beiden Seiten der Grenze ist eine weitere zentrale Ressource der Koordinierungszentren. In unterschiedlichsten Feldern können Kontakte hergestellt und grenzübergreifende Problemlösungen für Fragestellungen angeboten werden, die sich auf Jugend- und Schüler/-innenaustausch beziehen.

Definition Gelungenen Lernens

Um von gelungenem Lernen, einer zentralen Kategorie in der Qualitätsentwicklung nach LQW, sprechen zu können, müssen für die Koordinierungszentren einige Voraussetzungen schon vor Beginn des Lernprozesses erfüllt sein: Sowohl die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Koordinierungszentren als auch die externen Lehrenden sind kompetent und qualifiziert. Die Angebote entsprechen den Interessen und dem Fortbildungsbedarf der Lernenden. Die Methoden sind auf die Zielgruppe ausgerichtet und werden richtig angewendet. Die Angebote sind so gestaltet, dass sich die Lernenden wohl fühlen und Multiplikator/-innen und Botschafter/-innen des deutsch-tschechischen Jugendaustauschs werden können.

Gelungenes Lernen findet statt, wenn Lernende (und Lehrende) positive Veränderungen ihrer Kompetenzen (Kenntnisse, Erfahrungen, Einstellungen und Fertigkeiten) reflektierend feststellen können. Sie sind motiviert und engagiert, werden angeregt zur aktiven Mitgestaltung der gemeinsamen Zukunft und können das vermittelte Wissen und die erworbenen Erfahrungen handlungskompetent in der Praxis nutzen. Die Lernenden haben Interesse und Begeisterung für das Nachbarland und die Nachbarsprache entwickeln können. 

Regensburg, Mai 2017