B wie Bildung

 Kindergarten (Mateřská škola / školka)
Der Kindergarten ist in Tschechien genauso wie in Deutschland für Kinder im Vorschulalter vorgesehen, also für Drei- bis Sechsjährige. Im Kindergarten entwickeln die Kinder ihre Kommunikationsfähigkeiten und lernen grundlegende Verhaltensregeln. Die Kindergärten sind ein Bestandteil des tschechischen Bildungssystems und unterliegen der Aufsicht des Schulministeriums. Im Unterschied zu Deutschland befinden sich die meisten Kindergärten in kommunaler Trägerschaft, private oder kirchliche Einrichtungen sind eher die Ausnahme.

Schulwesen

 Grundschule (Základní škola)
In Tschechien umfasst die Grundschule neun Jahre, ebenso wie die Schulpflicht. Die Grundschule wird in zwei Bildungsstufen unterteilt: In der ersten Stufe (Klasse 1 – 5) unterrichtet der/die Klassenlehrer/-in fast alle Fächer, wohingegen sich die Lehrer/-innen in der zweiten Stufe (Klasse 6 – 9) spezialisieren. Für begabte Schüler/-innen wurde die Möglichkeit geschaffen, bereits nach Abschluss der fünften beziehungsweise siebten Klasse ein Gymnasium (acht- bzw. sechsjähriges) zu besuchen. Hierfür müssen sie jedoch die Aufnahmeprüfungen erfolgreich bestehen. Ab der dritten Klasse Grundschule beginnt der Fremdsprachenunterricht. Noch Mitte der 1990er-Jahre war Tschechien das einzige Land weltweit, in dem mehr Deutsch als Englisch unterrichtet wurde. Seit einigen Jahren liegt jedoch Englisch mit deutlichem Abstand vor dem Fach Deutsch.

• Gymnasium (Gymnázium)
An allen tschechischen Gymnasien und (Fach-)Oberschulen gibt es Aufnahmeprüfungen. Die Schüler/-innen können sich in der ersten Bewerbungsrunde an zwei Schulen gleichzeitig bewerben. Das Gymnasium (vier-, sechs- bzw. achtjähriges) wird mit dem Abitur (maturita) abgeschlossen. Das Abitur besteht aus zwei Teilen: Der erste ist für alle Schulen gleich, der zweite ist von Schule zu Schule unterschiedlich. Das Abitur gilt als Voraussetzung für ein  Hochschulstudium.

 (Fach-)Oberschule (Střední odborná škola) und Konservatorium (Konzervatoř)
Es gibt (Fach-)Oberschulen für diverse Fachrichtungen, unter anderem Bauwesen, Maschinenbau, Gesundheitswesen, Hotelwesen und Elektrotechnik. Die wörtliche Übersetzung (střední škola = Mittelschule) ist also missverständlich. Absolvent/-innen erlangen mit dem Fachabitur die allgemeine Hochschulreife. Ein Schultypus im Bereich der (Fach-)Oberschule ist die – häufig private – Handelsakademie (Obchodní akademie).
In Tschechien gibt es zudem Konservatorien für musikalisch begabte Schüler/-innen, die in Deutschland etwa den Fachakademien für Musik entsprechen. Das Studium dauert normalerweise sechs Jahre (bei Tanzfächern acht Jahre) und wird mit einem Absolutorium abgeschlossen. Die Absolvent/ -innen sind dann berechtigt, den Titel DiS. (diplomovaný specialista –„diplomierter Spezialist“) zu führen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, bereits nach vier Jahren das Studium mit dem Abitur zu beenden.

• Berufliche Oberschule, Berufsschule (Střední odborné učiliště)
In der Tschechischen Republik gibt es kein duales Ausbildungssystem. Eine Ausbildung im handwerklichen Bereich erfolgt an Oberschulen und ist somit in den Schulbetrieb integriert. Die Ausbildung wird mit der staatlichen Gesellenprüfung abgeschlossen. Nach drei Jahren Lehre kann in einem Aufbaustudium (dauert zwei Jahre) das Abitur erworben werden.

• Integrierte Oberschule (Integrovaná střední škola)
Unter diesem Begriff verstand man bis 1998 den Zusammenschluss von Beruflichen Oberschulen und (Fach-)Oberschulen. Heutzutage hat diese Bezeichnung laut Aussage des tschechischen Schulministeriums lediglich historische Bedeutung. Seit 2005 wird im Schulregister nur noch die Art bzw. Ausrichtung der Oberschule angegeben, wobei Zusätze wie z. B. „Elektrotechnisch“ mit aufgenommen werden können. „Integrierte Oberschulen“ werden im Prinzip als Schulen bezeichnet, wobei mehrere sich mehr oder weniger unterscheidende Fächer angeboten werden.

• Förderschulen  (Speciální škola)
Sie bieten gesundheitlich beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen eine auf ihre Bedürfnisse angepasste Erziehung bzw. Bildung an und unterstützen sie so bei der Eingliederung ins gesellschaftliche Leben. Förderschulen wirken auf den Ebenen der vorschulischen Erziehung sowie des Grund- und Mittelschulwesens.

• Höhere Fachschule (Vyšší odborná škola)
Hier kann alternativ zum Hochschulstudium drei Jahre studiert werden (einschließlich eines Praktikums). Diese Bildungsstufe wurde 1995 geschaffen und wird mit dem Titel DiS. (diplomovaný specialista – „diplomierter Spezialist“) abgeschlossen, welcher jedoch kein Hochschultitel ist. Als weiterer Unterschied zu den Hochschulen zeichnet die Fachschulen ihre stärkere Praxisorientierung aus. Sie werden beispielsweise von Mitarbeiter/-innen im Gesundheitswesen (Oberschwestern o. Ä.) besucht.

• Hochschule und Universität (Vysoká škola a  univerzita)
Voraussetzung für ein Hochschulstudium ist neben dem Abitur das Bestehen der Aufnahmeprüfung an der jeweiligen Hochschule. Man kann sich jedes Jahr für beliebig viele Studiengänge bewerben. Für die Bewerbungen muss jedoch eine Gebühr gezahlt werden.
An den tschechischen Universitäten gibt es hinsichtlich des Abschlusses drei Stufen: Bachelor (drei bis vier Jahre), Master (zusätzlich zwei Jahre oder fünfjähriger Magisterstudiengang) und Promotion (drei bis vier Jahre). Die Hochschulen bieten ebenfalls ein Bachelor- und Masterstudium an, ermöglichen jedoch keine Promotion. Das Bachelorstudium wird mit dem Titel Bachelor (Bc. oder BcA.) beendet, das fünfjährige Magisterstudium oder zweijährige Aufbaustudium mit dem Titel Magister (Mgr. oder MgA.) oder Ingenieur (Ing. oder Ing. arch.).
Die Ausbildung zum/zur Lehrer/-in erfolgt an den pädagogischen Fakultäten und dauert fünf Jahre – die Weiterbildung ist Aufgabe der pädagogischen Zentren. Im Vergleich zu Deutschland können die Absolvent/-innen sofort nach ihrem Abschluss als Lehrer/-innen an entsprechenden Schulen arbeiten und müssen kein Referendariat absolvieren.
Das Medizinstudium wird mit dem Titel Doktor der Medizin (MUDr., sechsjähriges Studium), Doktor der Zahnmedizin (MDDr., fünfjähriges Studium) oder Doktor der Veterinärmedizin (MVDr., sechsjähriges Studium) beendet. Nach dem Rigorosum können die Doktortitel PhDr., RNDr. u. Ä. erlangt werden. Das Promotionsstudium wird mit dem Titel Doktor (Ph.D. oder Th.D.) abgeschlossen (S wie Studium).
 
Sonstige Schulen
• Kunst- und Musikschule (Základní umělecká škola)
Alle schulpflichtigen Kinder können in ihrer Freizeit (nach einer Aufnahmeprüfung) eine (staatliche) Kunst- bzw. Musikschule besuchen. Jedes Schuljahr erhalten sie ein Übertrittszeugnis für den nächsten Jahrgang. Zu den Fächern zählen beispielsweise Tanz, Musik, bildende Kunst und literarisch- dramatische Ausbildung.

 Sprachschulen mit staatlicher Sprachprüfungsbefugnis (Jazyková škola s právem státní jazykové zkoušky)
Die früheren „Staatlichen Sprachschulen“ werden heute „Sprachschulen mit dem Recht der staatlichen Sprachprüfung“ genannt, weil man dort (auch ohne sie zu besuchen) eine Sprachprüfung ablegen kann. Ihr Niveau ist vom Staat garantiert. Die in Tschechien bekannt gewordenen internationalen Prüfungen werden jedoch bevorzugt. Die Sprachschulen entsprechen den Privatschulen. Sie bieten auch Vorbereitungskurse für die Staatsprüfung (u. a. Dolmetschen und Übersetzen) an. Als Abschluss erhält man das Zeugnis der bestandenen
„staatlichen Prüfung“. Die Sprachschulen können an Oberschulen angegliedert werden, sodass eine Schule beispielsweise „Gymnasium und Sprachschule mit dem Recht der staatlichen Sprachprüfung“ heißen kann.

Informationen zum Bildungswesen in Europa bietet z. B. EURYDICE:
www.eubuero.de/eurydice.htm