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wie Schulwesen

Tschechische Schüler/-innen sind durch ihre schulischen Verpflichtungen weitgehend ausgelastet. Bereits ab der dritten Klasse Grundschule beginnt in Tschechien der Fremdsprachenunterricht. Englisch liegt hierbei seit einigen Jahren mit deutlichem Abstand vor dem Fach Deutsch. Noch Mitte der 1990er Jahre war Tschechien das einzige Land weltweit, in dem mehr Deutsch als Englisch unterrichtet wurde. Ähnlich wie die deutschen Gymnasiast/-innen können auch die tschechischen Schüler/-innen in den beiden letzten Schuljahren ihre Fächer zum Teil selbst wählen, um sich nach Beendigung der Schule optimal auf die jeweiligen Aufnahmeprüfungen an den Hochschulen vorbereiten zu können. Die Ausbildung zum Lehrer/zur Lehrerin erfolgt an den pädagogischen Fakultäten und dauert fünf Jahre – Weiterbildung ist Aufgabe der pädagogischen Zentren. Im Vergleich zu Deutschland können die tschechischen Absolvent/-innen von pädagogischen Fakultäten sofort nach ihrem Abschluss als Lehrer/-innen an entsprechenden Schulen arbeiten. Sie müssen also kein Referendariat absolvieren.

Die Gehälter der Lehrkräfte weisen in den einzelnen Regionen fast gar keine Unterschiede auf. Das Gehalt einer Lehrkraft wird nämlich größtenteils aufgrund von Tabellen berechnet. Laut Angaben des Instituts für Informationen zur Erziehung (Ústav pro informace ve vzdělávání – ÚIV, www.uiv.cz) sollte das durchschnittliche Gehalt einer Lehrkraft circa 900 Euro im Monat betragen. Die Realität sieht leider sehr oft anders aus. Viele Lehrerinnen und Lehrer benötigen zur Sicherung ihres Lebensunterhalts noch einen Nebenjob.

 

Kindergarten (mateřská škola/školka)
In Tschechien ist der Kindergarten in das Schulsystem integriert und fällt auch unter die Aufsicht des Schulministeriums.
K wie Kindergarten/Kindertagesstätte


Grundschule (základní škola)
In Tschechien umfasst die Grundschule neun Jahre, ebenso wie die Schulpflicht. Die Grundschule wird in zwei Bildungsstufen unterteilt. In der ersten Stufe (Klasse 1–5) unterrichtet der/die Klassenlehrer/-in fast alle Fächer, wohingegen die Lehrer/-innen, die die Klassen der zweiten Stufe (Klasse 6–9) unterrichten, spezialisiert sind.

Im Grundschulbereich ist eine Rückkehr zu kleineren Schulen mit wenigen Klassen zu verzeichnen, wodurch die Schüler/-innen auch in ihrer Heimatgemeinde unterrichtet werden können. Für begabte  Schüler/-innen wurde die Möglichkeit geschaffen, bereits nach Abschluss der fünften beziehungsweise siebten Klasse ein mehrjähriges (acht- bzw. sechsjähriges) Gymnasium zu besuchen. Hierfür müssen sie jedoch die jeweiligen Aufnahmeprüfungen erfolgreich bestehen.

 

Gymnasien (gymnázium)
An allen Gymnasien und (Fach-)Oberschulen der Tschechischen Republik gibt es Aufnahmeprüfungen. Die Schüler/-innen können sich an (momentan bis zu) drei Schulen gleichzeitig bewerben. Das Gymnasium wird mit dem Abitur (maturita) abgeschlossen. Das Abitur besteht aus zwei Teilen. Der zentrale Teil ist für alle Schulen in Tschechien gleich, der dezentrale ist von Schule zu Schule unterschiedlich. Das Abitur gilt als Voraussetzung für das Hochschulstudium. Übrigens werden alle Schüler/-innen höherer Schulen als Student/-innen („studenti“) bezeichnet.

 

(Fach-)Oberschulen (střední (odborné) školy)
Es gibt technische (Fach-)Oberschulen für diverse Fachrichtungen, unter anderem Bauwesen, Maschinenbau, Gesundheitswesen, Hotelwesen und Elektrotechnik. Deshalb ist die wörtliche Übersetzung (střední škola = Mittelschule) missverständlich. Absolvent/-innen der (Fach-)Oberschulen erlangen mit dem Fachabitur die allgemeine Hochschulreife.

Zudem gibt es in Tschechien auch Konservatorien (konzervatoř) für musikalisch begabte Schüler/-innen.  Diese Konservatorien entsprechen in Deutschland in etwa den Fachakademien für Musik und werden mit dem Abitur (maturita) abgeschlossen.

Ein in der letzten Zeit immer beliebter gewordener Schultypus im Bereich der (Fach-)Oberschule ist die – häufig private – Handelsakademie (Obchodní akademie).

 

Berufliche Oberschulen (Střední odborná učiliště)
Hier erfolgt eine Ausbildung im handwerklichen Bereich. Die Ausbildung kann mit der staatlichen Gesellenprüfung abgeschlossen werden. Nach drei Jahren Lehre kann in einem Aufbaustudium (dauert zwei Jahre) das Abitur absolviert werden. Private Betriebe zeigen bisher nur geringes Interesse, sich an der Ausbildungsfinanzierung ihrer zukünftigen Mitarbeiter/-innen zu beteiligen.

 

Integrierte Oberschulen (integrované střední školy)
Unter diesem Begriff verstand man in Tschechien bis 1998 den Zusammenschluss von Beruflichen Oberschulen (střední odborná učiliště) und (Fach-)Oberschulen (střední (odborné) školy). Heutzutage hat diese Bezeichnung laut Aussage des tschechischen Schulministeriums lediglich nur mehr historische Bedeutung. Seit dem Jahr 2005 wird im Schulregister nur noch die Art bzw. Ausrichtung der Oberschule angegeben, wobei Zusätze wie z.B. „Elektrotechnisch“ mit aufgenommen werden können. Mit dem Begriff „integrierte Oberschule“ werden im Prinzip Schulen bezeichnet, von denen mehrere sich mehr oder weniger unterscheidende Fächer angeboten werden.

 

Förderschulen (speciální školy)
Sie bieten gesundheitlich beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen eine auf ihre Bedürfnisse angepasste Erziehung bzw. Bildung an und unterstützen sie so bei der Eingliederung ins gesellschaftliche Leben. Förderschulen wirken auf den Ebenen der vorschulischen Erziehung sowie des Grund- und Mittelschulwesens.

Vor einigen Jahren wurde ein Integrationsprogramm ins Leben gerufen, in dessen Rahmen den Kindern ein/-e persönliche/-r Betreuer/-in zur Seite gestellt wird, sodass sie mit anderen Kindern die Regelschulen besuchen können.

Der extrem hohe Anteil der Sinti- und Roma-Schüler an den Förderschulen wird stark kritisiert und führt dazu, dass die Rolle dieser Schulen infrage gestellt wird.

 

Höhere Fachbildung (vyšší odborné školy)
Hier kann alternativ zum Hochschulstudium drei Jahre studiert werden. Diese Bildungsstufe wurde 1995 geschaffen und kann mit dem (nachgestellten) Titel DiS. (diplomovaný specialista – „diplomierter Spezialist“) abgeschlossen werden, welcher jedoch kein Hochschultitel ist. Als weiterer Unterschied zu den Hochschulen zeichnet die „Höheren Fachschulen“ ihre stärkere Praxisorientierung aus. Sie werden beispielsweise von Mitarbeiter/-innen im Gesundheitswesen (Oberschwestern o.Ä.) besucht.

 

Hochschulen und Universitäten (vysoké školy a univerzity)
Voraussetzung für ein Hochschulstudium ist neben dem Abitur das Bestehen der Aufnahmeprüfung an der jeweiligen Hochschule. Man kann sich jedes Jahr für beliebig viele Studiengänge bewerben. Für die Bewerbungen muss jedoch eine Gebühr gezahlt werden. Es ist durchaus keine Ausnahme, dass jemand mit einem ausgezeichneten Abitur an den Prüfungen scheitert.

An den tschechischen Universitäten gibt es hinsichtlich des Abschlusses drei Stufen: Bachelor (3 bis 4 Jahre), Master (zusätzlich 2 Jahre oder 5jähriger Magisterstudiengang), Promotion (3 bis 4 Jahre). Die Hochschulen bieten ebenfalls Bakkalaureats- und Masterstudien an, ermöglichen jedoch keine Promotion.

Das Bakkalaureats-Studium kann nach drei bis vier Jahren mit dem Titel Bachelor (Bc. oder BcA.) abgeschlossen werden. Das in der Regel fünfjährige Master-Studium oder zweijährige Master-Aufbaustudium mit dem Titel Magister (Mgr. oder MgA.) oder Ingenieur (Ing. oder Ing. arch.). Das Medizinstudium wird mit dem Titel Doktor der Medizin (MUDr., sechsjähriges Studium), Doktor der Zahnmedizin (MDDr., fünfjähriges Studium) oder Doktor der Veterinärmedizin (MVDr., sechsjähriges Studium) beendet. Nach dem Rigorosum können die Doktortitel PhDr., RNDr. u. Ä. erlangt werden. Das Promotionsstudium wird mit dem Titel Doktor (PDS. oder Theda.) abgeschlossen.

 

Kunst- und Musikschulen (Základní umělecké školy)
Alle schulpflichtigen Kinder können in ihrer Freizeit (nach einer Aufnahmeprüfung) auch eine (staatliche) Kunst- bzw. Musikschule besuchen. Dort können sie sich bis zu neun Jahre lang mit z.B. bildender Kunst oder Musikinstrumenten befassen, wobei sie von Künstler/-innen unterrichtet werden. Jedes Schuljahr bekommen sie auch ein Übertritts-Zeugnis für den nächsten Jahrgang. Zu den Fächern zählen beispielsweise Tanz, Musik, bildende Kunst und literarisch-dramatische Ausbildung.

 

Sprachschulen mit staatlicher Sprachprüfungsbefugnis (Jazyková škola s právem státní jazykové zkoušky)
Die früher unter dem Namen „Staatliche Sprachschulen“ bekannten Schulen werden heute „Sprachschulen mit dem Recht der staatlichen Sprachprüfung“ genannt, weil man dort (auch ohne sie zu besuchen) eine Sprachprüfung ablegen kann, die in Tschechien bei Bewerbungen anerkannt werden muss (ihr Niveau ist vom Staat garantiert – überall und zu immer gleichen Bedingungen). Heutzutage werden jedoch mehr die auch in Tschechien bekannt gewordenen internationalen Prüfungen bevorzugt. Ansonsten entsprechen diese Sprachschulen den Privatschulen. Sie müssen jedoch auch Vorbereitungskurse für die Staatsprüfung (vier verschiedene Stufen, u.a. auch Dolmetschen und Übersetzen) anbieten. Als Abschluss erhält man das Zeugnis der bestandenen „staatlichen Prüfung“. Diese Sprachschulen können auch Oberschulen (střední (odborné) školy) angegliedert werden, sodass eine Schule beispielsweise „Gymnasium und Sprachschule mit dem Recht der staatlichen Sprachprüfung“ heißen kann.

Informationen zum tschechischen (und deutschen) Schulsystem finden sich auch in dem von Tandem herausgegeben Sprachführer „Do kapsy – Für die Hosentasche“.

Eine detaillierte Übersicht (überwiegend auf Englisch) zu den verschiedenen Schulsystemen in Europa bietet EURYDICE, das „Informationsnetz zum Bildungswesen in Europa“.
www.eurydice.org

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