Lesung & Gespräch und Film & Gespräch – im Rahmen der Kulturreihe Herbstlese(n)

1. Leseabend (Di, 15.11.2016, 19 Uhr):

Tereza Boučková, eine renommierte tschechische Schriftstellerin, ist auch in den deutschsprachigen Ländern durch die Übersetzungen ihrer Werke bekannt. Der Tochter des Schriftstellers, Dramatikers und späteren Dissidenten Pavel Kohout wurde als Unterzeichnerin der Charta 77 ein Studium verwehrt, sie durfte nur Hilfsarbeiten ausüben. Seit 1989 arbeitet sie als Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Journalistin.
Tereza Boučková wird aus ihrem Roman „Das Jahr des Hahns“ (tschechisches
Original: Rok kohouta) lesen. Mit dem Titel des Buches verweist sie auf zwei autobiographische Bezüge: auf ihren Mädchennamen („kohout“ heißt auf Deutsch
Hahn) und auf das Tierzeichen in der chinesischen Astrologie, in dessen Jahr sie geboren wurde und in welchem die Handlung des Buchs stattfindet. Von den Botschaften der Astrologie verspricht sich die Erzählerin die Überwindung aller Schwierigkeiten. Die Realität bringt ihr das Scheitern als Adoptivmutter zweier Roma-Kinder und den Zerfall der Familie, die Schaffenskrise sowie Probleme in der Partnerschaft und die Midlife-Crisis, volle Aussichtslosigkeit.
Wie bei den Leseabenden der Veranstaltung Herbstlese(n) üblich, wird es auch ausreichend Zeit zur Diskussion mit der Autorin geben.

2. Filmabend (Mi, 16.11.2016, 19 Uhr):

Der im Ausland sowie in Tschechien mehrmals preisgekrönte Regisseur Zdeněk Tyc studierte Regie an der Filmhochschule in Prag. Neben Kinofilmen dreht er auch Dokumentationen für das Tschechische Fernsehen oder Musikvideos.
Der Spielfilm Smradi (auf Deutsch etwa „Die Fratzen“), dessen Drehbuch von Tereza Boučková geschrieben wurde, gewann unter anderem den Zuschauerpreis an dem Internationalen Filmfestival in Karlsbad, den Filmpreis Český lev für den besten männlichen Darsteller (Ivan Trojan) und den Preis für die beste Regie beim Istanbuler Filmfestival. Der Film setzt sich mit der Stellung der Roma in einer Mehrheitsgesellschaft und mit Problemen von Eheleuten, die ihr eigenes Kind und zwei Roma-Jungen in einem Dorf erziehen, auseinander.
Die Vorstellung des Films und dessen Hintergründe sowie dessen Rezeption in Tschechien durch den Regisseur Zdeněk Tyc verspricht eine interessante Vermittlung des Roma-Diskurses in Tschechien vor dem Hintergrund des zeitgenössischen literarischen und filmischen Schaffens.
Nach dem Film freut sich Zdeněk Tyc auf gemeinsame Gespräche bei einem Glas Wein. Es wird sicher eine Menge Gesprächsstoff geben.

Der Eintritt zu beiden Veranstaltungen ist frei.

Weitere Informationen finden Sie unter www.bohemicum.de.